Stimmen aus der Röhre. Erfindungen des 19. Jahrhunderts

Sicherlich war es nicht leicht, in einem England der viktorianischen Zeit zu leben, vor allem nicht als Frau. Aber wenn man einmal all die politischen und wirtschaftlichen Umstände beiseitelässt, muss es dennoch eine aufregende Zeit gewesen sein, angesichts der technischen Entdeckungen, die das 19. und alle darauffolgenden Jahrhunderte prägten:

Das Automobil, elektrisches Licht, die Fotografie, Telegrafie und Telefon, das faradaysche Gesetz und vieles mehr.


Heute entlockt uns die Tatsache, dass der Strom aus der Steckdose kommt, nur noch ein herzhaftes Gähnen, aber damals war Elektrizität eine Sensation.
Dementsprechend häufig wird von abenteuerlichen Apparaten berichtet, um böse Geister abzuwehren (häufig zu finden in der Carnacki, der Geisterjäger-Reihe von William Hope Hodgson), oder dem Diktafon, eine Art Diktiermaschine mit Wachswalzen und Hörschläuchen, um geisterhafte Geräusche aufzunehmen.

 

In Poes Geschichten werden galvanische Zellen verwendet, um tote Menschen wieder zum Leben zu erwecken. Der galvanische Apparat war, grob gesagt, nichts weiter als eine Batterie.
Damals hieß ein Foto noch Daguerreotypie, später Kodak-Abzüge.
Kutschen befuhren neben Automobilen die Straßen und für den damaligen Gentleman galt es als unschicklich, ohne Hut aus dem Haus zu gehen.

Die Parapsychologie kam in Mode und in vielen Häusern wurden Séancen abgehalten.
In einigen Erzählungen trifft man auf Protagonisten, die mit Taschenlampen durch finstere Katakomben streifen:
Die ersten Taschenlampen bestanden aus Papier und Filterröhren und einer kleinen Glühlampe mit Messingreflektor. Die Batterien waren zu dieser Zeit noch sehr schwach, so dass die ersten Taschenlampen nur einen kurzen Lichtblitz erzeugen konnten. Daher kommt auch der englisch/amerikanische Name der Taschenlampe: „Flashlight“, was so viel wie Blitzlicht oder Lichtblitz bedeutet (Quelle: www.taschenlampen-portal.de)
Das Telefon war ebenfalls lange Zeit ein Privileg der Reichen, vielmehr schickte man Boten oder ein Telegramm.

 

Und noch etwas liest man aus den Werken jener Zeit:
Die unschönen Beschreibungen rauchender Fabrikschlote, stinkender Automobile und überfüllter Großstädte. Denn viele ängstigten sich vor der voranschreitenden Industrialisierung, den neuen Wissenschaften und neuartigen Techniken.
Und es zieht die Menschen hinaus auf das Land, wo die Welt noch in Ordnung zu sein scheint, mit all ihren harmlosen Geschichtchen, die sich die Landbevölkerung nächtens am Feuer erzählt, wenn die Wilde Jagd heulend um die Häuser streift und seine Moosweibchen jagt …