Erdachtes Grauen. Eine Auswahl phantastischer Autoren.

 

Bei den folgenden Autoren handelt es sich vorwiegend um Vertreter der phantastischen Horrorliteratur des 19. Jahrhunderts und später. Bis heute kann man von ihnen lernen und sich inspirieren lassen.
(Diese Liste erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Die Bilder stammen von Wikipedia.de und gelten als gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.)

 

Prosper Mérimée (1803–1870)
Der französische Schriftsteller steht hier aus gutem Grund an erster Stelle, denn seine phantastische Novelle »Die Venus von Ille« brachte den berühmten Stein ins Rollen.

Im Grunde genommen war es ein Buch mit dem wunderlichen Titel »Vom Einhorn und der schönen Melusine«, eine Sammlung verschiedener Märchen- und Liebesgeschichten. Neben Mérimées Erzählung war es Alifa Rifaats »Meine unbekannte Welt«, die mir ebenfalls so gut gefiel, dass ich ähnliche Geschichten zu lesen begann.

 

Edgar Allan Poe (1809–1849)

Über Edgar Allan Poe wurde bereits soviel geschrieben und diskutiert, daher möchte ich nur soviel bemerken: Poe gilt als Urheber diverser Horrorgeschichten und logisch-analytischer Werke. Allerdings wissen nur die wenigsten, dass diese kaum ein Viertel seines erzählerischen Werkes ausmachen. Der größte Teil seiner Erzählungen besteht aus Grotesken und Satiren. Zudem arbeitete er als Kritiker und verfasste philosophische Essays und Dialoge.
Dieter Gelfert beschreibt in der Biografie Edgar Allan Poe. Am Rande des Malstroms (Verlag C.H.Beck) den komplexen Charakter des Schriftstellers auf sehr ansprechende Weise.
Vor einigen Jahren schenkte mir ein Freund die gesammelten Schriften Poes, jeder Band mit einem Thema: Biografie, Dichtungen, romantische Erzählungen, Kriminalgeschichten, grausige und humorvolle Erzählungen, Abenteuergeschichten und Grotesken. Nach dieser umfangreichen Lektüre kann ich mit Fug und Recht behaupten, sämtliche seiner Werke in deutscher Übersetzung gelesen zu haben. Genügend Stoff also, um das Geheimnis phantastischer Erzählungen zu ergründen ...

 

Algernon Blackwood (1869–1951)
An den Erzählungen des englischen Schriftstellers bewundere ich die gekonnte Vermischung realistischer und fantastischer Elemente.
Typische Schauplätze sind unheimliche Häuser und Orte, die er auf seinen Reisen erforschte. Blackwood ist einer jener Schriftsteller, der mich stark beeinflusst hat und dessen Werke vollständig auf meinem Bücherregal stehen.
»Die Weiden« dürfte eine seiner bekanntesten Erzählung sein. Die Begegnung zweier Kanufahrer mit außerweltlichen Wesen ist nicht nur unheimlich, sondern auch verstörend real beschrieben.


William Hope Hodgson (1877–1918)
Neben Poe und Blackwood schätze ich den englischen Schriftsteller vor allem wegen seiner Seegeschichten. Leider finden seine Werke noch immer zu wenig Beachtung.  
Die Erzählung »Die Boote der Glen Carrig« handelt von der Irrfahrt einer Bootsmannschaft durch bizarre Landschaften. Seine Beschreibungen von überdimensionierten Pilzen, modrigen Wracks und fremdartigen Wesen, die die Männer bedrohen, rufen echtes Grauen hervor.
Hervorragend finde ich Hodgsons Talent, die Charaktere allein durch ihre Handlungen zu beschreiben; der Bootsmann dieser Geschichte ist ein gutes Beispiel dafür.
In der SF-Novelle »Das Haus an der Grenze« wird ein Mann von grotesken Schweinswesen belagert. Seine anschließende Reise durch die Galaxie und seine Beobachtungen über das Ende der Erde werden dem Leser auch ohne entsprechende Drogen lebhaft vor Augen geführt.  
Dem einen oder anderen mag sein Stil etwas umständlich erscheinen und häufig wird die Überzahl von seemännischen Fachbegriffen bemängelt – Hodgson ist eben nur etwas für echte Fans morbider Seestücke …

 

Howard Phillips Lovecraft (1890–1937)
Die Werke des amerikanischen Autors rufen vor allem durch ihre unmittelbare Art Grauen hervor. Während seine Kollegen eher subtil zu Werke gehen, wirft der Meister der Phantastik nur so mit okkulten Wörtern und Symbolen um sich. Anspielung auf das fiktive Cthulhu-Universum finden sich häufig in Lovecrafts Erzählungen, und beinahe könnte man glauben, dies sei eine untergegangene Kultur und nicht die Schöpfung des Autors selbst.
Viele Werke enthalten unmittelbare Anspielungen auf seine Vorbilder Poe, Dunsany, Blackwood, Machen u.a. Seine Geschichten sind unheimlich und skurril und mit den Merkmalen der Horrorliteratur gekennzeichnet:

die Schilderung von Angstträumen, dem Wahnsinn und/oder einer Besessenheit, zum Beispiel der Glaube, verflucht zu sein.

Ein wenig Werbung darf auch sein: Der Festa-Verlag veröffentlichte u.a. eine gute Auswahl von Lovecrafts Werken in insgesamt sechs Bänden, die auch für Neulinge empfehlenswert sind.

 

Herbert George Wells (1866–1946)
Der englische Schriftsteller gilt als Vorbereiter der Science-Fiction-Literatur und schrieb zahlreiche Abenteuerromane. Der Roman »Die Zeitmaschine« machte ihn bekannt.
Weniger sozialkritische SF, dazu mehr Phantastisches findet man in seinen Erzählungen.  
Ich will nicht weiter ins Detail gehen. Sein Talent, derart treffend und kompakt das Unbekannte und Unheimliche zu beschreiben, ist einfach erstklassig. 

 

Lord Dunsany (1878–1957)
Der irische Schriftsteller galt als Exzentriker, und genauso eigenwillig erzählen seine Kurzgeschichten von fremdartigen Landschaften, exotischen Städten und Göttern.

Sein umständlicher Stil ist bisweilen schwer zu lesen für all jene, denen es an Fantasie mangelt zu verstehen seine Beschreibungen über die hundsgesichtigen Götzen und dem Schwert des Sacnoth in den Hallen von Durl …
Dunsanys Stil ist hypnotisch, elegisch und intensiv. »Das Land des Yann« und seine Fortsetzung »Auf den ziehenden Wassern des Yann« sind wunderschöne Beispiele für den Farbenreichtum seiner Traumwelten.
»Am Rand der Gezeiten« handelt von einem Mann, dessen bleiche Gebeine durch die Jahre, Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg immer wieder in geweihte Erde gelegt werden, nur um anschließend erneut von unheimlichen Männern ausgegraben und im Schlamm der Themse versenkt zu werden, solange, bis auch der letzte Mensch die Erde verlassen hat. Kling abgefahren? Ist es auch.

 

Arthur Machen (1863–1947)
Neben Romanen schrieb der Waliser A. Machen vor allem Kurzgeschichten mit Bezug zum Übersinnlichen, keltischer Sagen und uralter Mythen.
Häufig spielt er dabei auf das »kleine Volk« an, geheimnisvolle Wesen der keltischen Mythologie, die den Menschen in die Abgründe des Unfassbaren führen. In üppiger Sprache beschreibt er die Natur und ihre Erscheinungen, aber das Grauen darin bleibt nur angedeutet. Ich stelle die kühne These auf, dass Lovecraft diese Vermeidung von Redundanzen von Machen übernahm.

Am bekanntesten sind seine Erzählungen »Die leuchtende Pyramide« und »Die weißen Gestalten«.


Weitere Autoren:
Clark Ashton Smith (1893–1961)
Walter de la Mare (1873–1956)
Henry James (1843–1916)
Joseph Thomas Sheridan Le Fanu (1814–1873)
Robert Louis Balfour Stevenson (1850–1894)
Charles Robert Maturin (1782–1824)
Mary Shelley (1797−1851)
Ann Radcliffe (1764–1823)
Abraham (Bram) Stoker (1847–1912)