Unheimliche Kurzgeschichten

 

Landunter

Erschienen im Dornendickicht - Magazin für Literatur und Kunst

Ausgabe April 2011 »Meerumschlungen« Teil1


 

 

 

Jahn Lund klopfte mit dem Fingernagel auf das Barometer. »Daraus wird nichts. Sie müssen bis Sonntag warten.«

Ich starrte auf das Messinstrument und verstand nicht. »Was soll das heißen?«

»Bei einer Sturmwarnung wird der Fährverkehr eingestellt. Wie es aussieht, verlängert sich Ihr Urlaub um zwei Tage, tut mir leid.«

Mein Blick fiel durch das Fenster. Dahinter erstreckte sich ein langes Band von Salzwiesen, dessen Farbenspiel von Lehmbraun zu Flammenrot wechselte. Am Morgen zogen Schönwetterwolken über den Himmel und ein Unwetter erschien mir eher unwahrscheinlich. Lund, ein hagerer Mann von sechzig Jahren, musterte mich über seine randlose Brille hinweg. Sein friesischer Dialekt ließ die Situation fröhlicher klingen, als sie war.

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Elmsfeuer  (2010 © Julia Vogel)

 

Die Nachricht von Großvaters Tod erreichte mich am Abend des 12. Juni. Mit wehendem Mantel und ungeschnürten Schuhen eilte ich die Stufen seines Hauses hinauf, wo mich der Arzt bereits am Eingang erwartete. Er sei friedlich entschlafen, hieß es; beinahe erleichtert habe er gewirkt. Ob er denn krank gewesen sei, wollte ich wissen; der Arzt verneinte – ein wenig zögerlich, wie mir schien. Er sprach mir sein Beileid aus, wischte sich mit einem hellblauen Tüchlein über die Stirn und fuhr, nach erneutem Zögern, fort:

»Wissen Sie, mein Vater war ebenfalls ein hervorragender Seemann, bis sein Schiff bei Kap Horn in einen Sturm geriet. Er und etliche Männer mussten ertrinken. Ihr Großvater, nun ja … ich hoffe, dass sein schuldgeplagter Geist endlich zur Ruhe kommen konnte.«

Ältere Beiträge: Sagenhaftes. Kunstsagen, Schwänke und Märchen

Bei mir steht der Spaß am Schreiben an erster Stelle, und bei dieser Art Geschichten habe ich mal die schriftstellerischen Feinheiten außer Acht gelassen. Die Texte wurden zwar sorgfältig überarbeitet - aber nicht lektoriert!

Ich wünsche viel Spaß mit der Braut aus dem Jenseits, einem traurigen Wassermann und dem Dieb, der mächtig übers Ohr gehauen wurde!  

Das gestohlene Brautherz
"Einst wurden mein Bruder und ich Zeuge eines seltsamen Ereignisses. Dies geschah im Jahr des Herrn 1667 im Alten Land, als in unserem Dorfe große Hochzeit gehalten wurde..."
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Der Knabe aus dem See
"Allzeit am Abend saß der alte Uhu auf seinem Zweige und blickte über den See, der stets dalag wie ein Spiegel. In dieser Nacht jedoch brach sich seine Oberfläche in kleinen Wellen, als schnappten Fische in großer Anzahl nach Fliegen darin ..."
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König der Diebe
"Seit dem frühen Morgen befanden wir uns auf dem Weg zur Kaserne, wo bald die blassen Hälse der Verurteilten am Galgen schaukeln sollten. Unser Gefährt ließ sich kaum als Kutsche bezeichnen und war derart schlecht gefedert, dass wir bei jedem Schlagloch aufflogen wie die Tauben auf dem Domplatz. Neben mir ächzte mein Freund, der lange Helge ..."
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