Tür No.18 ist wieder ein Gedicht

Bernsteinlicht

 

Wo das Licht sich bricht

im Bernsteinlicht

Ward ein Seemann geboren,

von den Nornen auserkoren

Wo die harten Winde gähnen

Weben sie die Schicksalssträhnen

 

Eine mahnte vor den wilden Breiten, die von nun an seinen Weg begleiten

Die Zweite wünschte dann, hohe Fahrt sein Leben lang!

Nur die Dritte, boshaft und gemein

Sprach: ›Kurz soll sein Leben sein! Wenn dies Wachslicht verbrennt

Sein Leben damit abgetrennt!‹

 

Mit Grausen fuhr die Mutter auf:

›Welch Fluch, o Nornen, bricht des Sohnes Schicksalslauf!

Kaum geboren, schon verloren

Weil des Asen Tochter Herz gefroren!‹

 

›Heuer nicht‹, darauf die Erste spricht

Und löschte rasch das Bernsteinlicht

›Erst am letzten Tage seines Lebens dann

erfülle sich der grässlich‘ Bann.‹

 

So sah der Seemann von des Schiffes Rande

Hohe Berge, schöne Lande

Sah die Mädchen fein und wunderbar

Bis er satt am Leben war

Genug von See und kalter Gischt

Und erinnert‘s sich an sein Bernsteinlicht

 

Nach der Ebbe folgt die Flut

Mein Leben war lang und gut,

sprachs und lischt –

das Lebenslicht.